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Ost-West-ZeitungDie 1.-Mai-Ausgabe der jungen Welt wird bundesweit an 87 Orten verteilt. Bereits 2211 Probeabos eingesammelt In: junge Welt vom 28.04.2012 Ausgerechnet dieser kleinen linken Zeitung gelingt es, sich auf einem sehr schwierigen Markt zu behaupten. Woran das liegt, ist kein Geheimnis. Der eine Faktor: junge Welt ist eine außergewöhnliche Zeitung, die nicht durch eine andere ersetzt werden kann. Der andere: Sie hat außergewöhnliche Leserinnen und Leser. Beides beweisen wir am 1. Mai: An 87 Orten werden über 20000 Zeitungen verteilt (unsere Karte zeigt die größten Städte und Orte) - und zwar persönlich von Nutzern der Zeitung. Übrigens kommen zwei Drittel der Bestellungen aus den alten Bundesländern. Das liegt daran, daß junge Welt das einzige Medienprodukt aus dem Osten ist, das gleichermaßen in Ost wie West gelesen wird. Die 1.-Mai-Ausgabe hat damit 2012 eine verbreitete Auflage von 40000 Exemplaren. Für Infostände wurden zudem 59 Aktionspakete angefordert: Neben dem Verteilen der Zeitung sollen auch Gespräche geführt und viele Menschen bewegt werden, ein dreiwöchiges kostenloses Probeabo zu bestellen. Bildet Banden! Dazu ist es sehr hilfreich, Infostand oder Verteilaktion nicht allein durchzuführen. Das Probeabo wird übrigens gerne bestellt. Weil Zeitungsverteiler, Zeitung und Plakat mit dem Aufdruck »Sie lügen wie gedruckt. Wir drucken, wie sie lügen« neugierig machen. Aber auch, weil man garantieren kann, daß das Probeabo nach drei Wochen automatisch ausläuft. Mit der Aktion will die junge Welt auf einen Schlag Tausende neue Leserinnen und Leser erreichen - und zwar in allen Bundesländern (Oskar bekommt seine Zeitung auf der Saarbrücker Maidemo). Das ist übrigens auch den beteiligten Partnern zu verdanken: Es ist nicht ganz einfach, mal rasch so viele Zeitungen zu drucken, zu konfektionieren und bundesweit zu expedieren. Für die Auswertung der Aktion ist eine kleine Rückmeldung wichtig. Vor allem, wenn die Zustellung nicht geklappt haben sollte, geht das jW-Aktionsbüro dem nach. Durch Hinweise und Erfahrungen können wir die Aktion zudem weiterentwickeln. Andere Leserinnen und Leser werden angeregt, sich künftig zu beteiligen. Eine besonders angenehme Form der Rückmeldung ist natürlich, wenn Sie uns in der nächsten Woche Listen mit Probeabobestellungen zuschicken. Endspurt Siebenerkampagne Wer sich jetzt noch an der Aktion beteiligen will, könnte am Montag die 1.-Mai-Ausgabe an Kiosken aufkaufen, sie gezielt weitergeben und Probeabos einwerben. Auf jeden Fall dürfen Sie aber den nebenstehenden Coupon nutzen: Finden Sie bis zu sieben Freunde oder Kollegen, Genossen, die für drei Wochen die junge Welt gratis haben wollen. Bitte nicht vergessen, auch die Zustimmung für eine telefonische Befragung durch unseren Verlagsmitarbeiter einzuholen. Wer insgesamt sieben solcher Adressen einschickt, erhält gratis unser Postkartenset mit sieben Grafiken von Thomas J. Richter und nimmt an einer Verlosung von Filmbüchern aus der Bibliothek des Widerstandes teil. Aber bitte beachten: Die Adressen müssen bis Samstag nächster Woche hier im Verlag eingehen, denn diese Aktion läuft noch genau eine Woche. Von der Zielstellung 2500 Probeabos haben uns bisher 2211 Bestellungen erreicht. Wir freuen uns natürlich auch über Listen, bei denen nicht alle sieben Adreßfelder ausgefüllt sind. Jedes Probeabo zählt! Gutschein auf Titelseite Es gibt eine weitere Form, mit der Sie an der bundesweiten 1.-Mai-Aktion mitwirken können: Unsere Ausgabe zum 1.Mai (am Montag, 30. April, im Abo und im Handel) ziert gleich auf der Titelseite oben rechts ein kleiner Gutschein, mit dem man gratis am Kiosk eine weitere Ausgabe der jungen Welt bekommen kann. Darauf sollten Sie beim Verteilen oder am Infostand besonders hinweisen. Abonnenten und Kioskkäufer können den Gutschein ihrer persönlichen Ausgabe gern weiterreichen. Das hat mehrere Vorteile: Das Interesse an der Zeitung wird befördert, der künftige Leser sucht sich seinen Kiosk, an dem er die junge Welt bekommt. Und kauft dort auch künftig gelegentlich eine Ausgabe - falls er nicht gleich richtig abonnieren will. Wir haben deshalb die Kioskbelieferung in fast allen Bundesländern erhöht. Wissen ist Macht Wir werden mit Verteilaktion und Siebenerkampagne ein schönes Stück vorankommen. Und damit Versuchen, die junge Welt zu verleumden, zu behindern oder zu ignorieren, entgegentreten. Denn wer erst einmal weiß, daß es so eine Zeitung gibt und was wirklich drin steht, kann selber entscheiden, ob er sie will oder nicht. Nach dem 1. Mai 2012 wird es - dank Ihrer Hilfe - einige tausend Wissende mehr geben. Herzlichen Dank dafür! Aktionsbüro ___________________________________________________ KioskwunderDie junge Welt bewegt sich nicht nur inhaltlich gegen herrschende Trends In: junge Welt vom 21.04.2012 Daß die junge Welt jedes Print- und Internetabonnement dringend braucht, haben wir an dieser Stelle schon oft betont. Wie sieht es aber mit den Kioskverkäufen aus? Nicht überall können wir die junge Welt mit Frühzustellung anbieten. Dort liefert die Post jeden Morgen die druckfrische Ausgabe in den Briefkasten. Manchen dauert das aber zu lange und sie kaufen ihre Lieblingszeitung lieber morgens am Kiosk. Ökonomisch sind diese Verkäufe nicht so interessant wie die Abonnements: Die bundesweite Steuerung übernimmt ein externer Nationalvertrieb, der dann die Grossogebiete beliefert. Der Grossist ist so was ähnliches wie ein Fürst: er herrscht über ein Territorium, in dem nur er die Einzelhändler (Kioske, Supermärkte, Tankstellen usw.) beliefert, es gibt also keine Konkurrenz. Da bleibt für unseren Verlag nach Abzug aller Kosten und dem Zwischenhandel nicht allzuviel übrig. Und trotzdem ist der Einzelverkauf von großer Bedeutung. Wenn in großer Stückzahl verkauft wird, bleibt was hängen. Und wenn viel gedruckt wird, sinken die Herstellungskosten pro Zeitung. Besonders wichtig ist für uns aber auch, daß der Einzelhandelsverkauf ein Gradmesser für wachsendes oder sinkendes Interesse an einer Zeitung darstellt. Weil seit Jahren die überregionalen Tageszeitungen am Kiosk zum Teil sogar dramatische Einbußen hinnehmen müssen, sorgen sich viele Verlage gar generell um die Zukunft des Printmediums. Daß die keineswegs zwangsläufig schlecht aussehen muß, beweist die junge Welt. Während die überregionalen Zeitungen in den letzten zehn Jahren bis zu 40 Prozent ihrer Kioskverkäufe verloren haben, hat die junge Welt im Vergleichszeitraum um mehr als 40 Prozent zugelegt. Wenn wir vor 10 Jahren die Grossisten besucht haben, um mit ihnen über eine bessere Belieferung der Einzelhändler in ihrem Gebiet zu reden, wurden wir milde belächelt. Manche wunderten sich gar, daß wir überhaupt den Fahrpreis für die Anreise aufbringen konnten. Heute wird anerkannt, daß die junge Welt beweist, daß der Rückgang der Verkaufszahlen am Kiosk nicht zwangsläufig ist - sondern etwas mit dem Produkt selber zu tun haben muß. In diesen Tagen hat unser Verlagsleiter Andreas Hüllinghorst einige Grossisten besucht. Nicht nur, daß alle die Tendenz bestätigten, nach der die junge Welt Zuwächse in den letzten Jahren verbuchen konnte: Sie schätzen in der Regel ein, daß der Markt für die junge Welt noch lange nicht ausgeschöpft sei. Und das betrifft ost- wie westdeutsche Regionen gleichermaßen. Deshalb haben wir in diesen Tagen zum Beispiel für die Regionen Berlin, Bonn, Köln, Wuppertal, Duisburg, Dortmund, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und andere eine Erhöhung der Stückzahlen und der Zahl der belieferten Einzelhändler verabredet. Sie können uns auch hier unterstützen. Zum einen: Fragen Sie in Ihrem Lieblingskiosk nach, ob nicht auch dort die junge Welt ausliegen könnte. Kaufen Sie hin und wieder einmal eine Ausgabe im Einzelhandel. Und in unserer Ausgabe zum 1. Mai finden Sie auf der Titelseite einen Gutschein, mit dem Sie eine Zeitung gratis an einem Kiosk Ihrer Wahl erhalten können. Diesen Gutschein (oder aber die komplette Ausgabe) können Sie natürlich auch gern weiterverschenken. Der Kioskverkauf hat für uns nämlich noch einen weiteren sehr positiven Effekt: Viele lesen die junge Welt zunächst erst gelegentlich, abonnieren dann aber später. Auch deshalb wünschen wir uns eine weite Verbreitung der Zeitung im Einzelhandel. Und eine Zeitung mit alternativem Inhalt tut jedem Kiosk gut! Verlag, Redaktion, Genossenschaft ___________________________________________________
jW wird eingestellt …… und existiert doch. Warum die Zeitung vor 17 Jahren nicht verschwand Dietmar Koschmieder In: junge Welt vom 07.04.2012 Vor 17 Jahren gab es keine junge Welt mehr. Am 5. April 1995 wurde der Belegschaft mitgeteilt, daß an diesem Tag noch eine Ausgabe erstellt und danach die junge Welt eingestellt wird. Am 6. April erschien die letzte Ausgabe, am 7. war Schluß. Wenige Tage später, Gründonnerstag und Ostersamstag 1995 dann die Wiederauferstehung der jungen Welt: Es erschienen zunächst zwei Notausgaben mit jeweils vier Seiten Umfang. Der Verlag 8. Mai GmbH war in Gründung, die Genossenschaft zunächst nur eine Idee. Heute, 17 Jahre später, ist das Projekt junge Welt noch immer gleichermaßen realistisch wie unmöglich: Eine Tageszeitung, die keinem großen Verlag, keiner Partei oder Kirche gehört, die sich zudem als antikapitalistisch-marxistische Zeitung versteht, kann aus eigener Kraft nicht existieren. Entweder zerstreiten sich die Akteure politisch, oder aber sie können nicht mit Geld umgehen. Meistens trafen gleich beide Vorurteile zu. Politischer Streit und Geldsorgen prägten zwar auch diese 17 Jahre - zugrunde gegangen ist die Zeitung dennoch nicht. Dafür gibt es drei wesentliche Ursachen. Erstens hat die junge Welt über alle Differenzen und Irritationen hinweg in zentralen inhaltlichen Fragen eine klare, auch für die Leserinnen und Leser nachvollziehbare Grundhaltung erarbeitet und bewahrt, so in Sachen Krieg und Frieden, Internationalismus und soziale Frage. Schon deshalb ist sie auf dem deutschen Tageszeitungsmarkt einzigartig. Zweitens ist die junge Welt nicht einfach eine Ware, die von Jobverrichtern erstellt und von Endverbrauchern konsumiert wird. Mitarbeitende in Verlag und Redaktion standen und stehen in klarer Mehrheit zu dieser Zeitung nicht nur mit ihrer guten (und bis heute unterbezahlten) Arbeit, sondern kümmern sich auch um Dinge, die nicht ihren direkten Arbeitsauftrag betreffen. Die Leserinnen und Leser der Zeitung schätzen an der jungen Welt nicht nur den konkreten Nutzwert. Sie sind als Genossinnen und Genossen Eigentümer und Herausgeber der Zeitung, wirken aber auch am Erstellen und Verbreiten der Zeitung mit. Ohne die Mitwirkung der Lesenden gäbe es diese Zeitung heute nicht mehr. Drittens aber schaffen es die Beteiligten bisher, mit dem Widerspruch klarzukommen, daß diese Zeitung für eine sozialistische Zukunft eintritt, aber unter knallhart kapitalistischen Bedingungen hergestellt werden muß. Hier liegen auch große, noch ungeklärte Probleme: Gehälter müssen auch bei der jungen Welt auf Dauer ausreichen, um die Arbeitskraft reproduzieren zu können. Und der Abopreis kann nicht einfach ohne Limit erhöht werden - weil vielen Leserinnen und Lesern enge ökonomische Grenzen gesetzt sind. Die Lösung dieser Probleme kann nur darin bestehen, daß zum einen diejenigen, die es sich leisten können, die Zeitung abonnieren und uns auch auf andere Weise unterstützen. Und zum anderen, daß dieser Kreis nicht kleiner, sondern größer wird. Vor zwei Wochen haben wir an dieser Stelle deshalb eine Anleitung zum Handeln in sieben Punkten veröffentlicht. Seither gingen über 50 Einzelspenden für den Lese- und den Prozeßkostenfonds ein, im einzelnen von zwei bis zu 250 Euro. Beispielhaft sei hier unser Leser E. Rasmus genannt, der uns schreibt: »Trotz Ost-Almosenfrührente und Hartz-IV-Betroffenheit überweise ich wiederholt zehn Euro für den Prozeßkostenfonds.« Eine Reihe von Anträgen zur Aufnahme in die Genossenschaft und Aufstockung von Anteilen sind beim Genossenschaftsvorstand eingegangen. Noch etwas zurückhaltend wird auf den Aufruf, die junge Welt zu abonnieren, reagiert. Vor allem im Internet lesen noch immer Tausende die Zeitung, ohne ein Onlineabo abzuschließen. Es gilt aber für den Print- wie den Onlinebereich: Eine Zeitung wie die jW kann nur existieren, wenn sie regelmäßige und kalkulierbare Einnahmen über Abonnements erzielt - wenn also diejenigen, die die Zeitung nutzen, das Bezahlen nicht wie bei anderen Blättern üblich Anzeigenkunden oder Parteien überlassen. Wie zum Beispiel Helmuth Greiner aus Wien. Er hat ein Soliabo eingerichtet und übermittelt uns einige Ideen zur Verbesserung unseres Internetauftritts. Er will die junge Welt finanziell unterstützen, damit sie überhaupt in die Lage versetzt wird, solche Verbesserungen zu realisieren. Oder Steffen Weise: Er ist seit Jahren begeisterter Leser der jungen Welt, kann sich aber erst jetzt ein Abo und einen Genossenschaftsanteil leisten. Er schlägt vor, daß die finanziell Bessergestellten Abonnements für jene übernehmen, die sich die Zeitung nicht leisten können. Damit der Anteil an zahlenden Leserinnen und Lesern aber auch kontinuierlich steigen kann, muß die Zeitung immer bekannter werden. Das Vermitteln von Probeabonnenten und das Verteilen von Zeitungen bei Veranstaltungen sind dazu hervorragende Möglichkeiten. Auch dabei sind wir auf die Hilfe unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wir machen unsere Wunder selber, lautete die Überschrift auf der Aktionsseite vor 17 Jahren. Und wie das halt so ist mit Wundern, um die man sich selber kümmern muß, weil man nicht auf die Hilfe eines höh'ren Wesens spekuliert: Es steckt harte Arbeit dahinter. Und der solidarische Umgang miteinander, auch und gerade in knallhart kapitalistischen Zeiten. ___________________________________________________ Die wirtschaftliche Vernichtung der „jungen Welt" durch die Justiz verhindernErklärung des Bündnisses für Soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde e.V. Am 17. Juni 2011 hatte vor dem Gebäude der jungen Welt" eine jW-Leserin gemeinsam mit anderen gegen den Aufmarsch von Neofaschisten lautstark protestiert. Dafür soll sie nun bestraft werden. Zuständige Behörden hatten zuvor den Naziaufmarsch mit dem ehemaligen NPD-Vorsitzenden in voller Absicht vor das jW-Gebäude verlagert. Hunderte Gegendemonstranten begleiteten den Auftritt der Faschisten mit Sprechchören, auch von der Dachterrasse der „jungen Welt" aus. Als der Spuk vorbei war, wurde Geschäftsführer Dietmar Koschmieder, obwohl er sich als Presservertreter auswies und andere jW-Leserinnen und Leser von der Polizei über längere Zeit einer »freiheitsbeschränkenden Maßnahme« unterzogen. Unfassbar ist, das Diemar Koschmieder von Polizeibeamten während der Festsetzung misshandelt wurde und ihm jetzt vorgeworfen wird, »einem Amtsträger, der zur Vollstreckung von Gesetzen berufen ist, bei der Vornahme einer solchen Diensthandlung mit Gewalt Widerstand geleistet zu haben«. Der „Rechtsstaat" BRD hat ihn deshalb mit einem Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro „verdonnert". Dietmar Koschmnieder hat dagegen Widerspruch erhoben. Auch gegen den jW-Chefredakteur Dr. Arnold Schölzel hatte die Staatsanwaltschaft den Vorwurf erhoben, durch den Abdruck eines kritischen Redebeitrages der Publizistin und linken Aktivistin Inge Viett eine Straftat begangen zu haben. Er wurde in erster Insranz vom Amtsgericht freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Berufung eingelegt. Oberstaatsanwalt Raupach beantragt, »das Urteil aufzuheben und den Chefredakteur zu einer schuldangemessenen Strafe zu verurteilen, weil er seine »Verpflichtung, für die strafrechtliche Reinheit des Druckwerks zu sorgen, vorsätzlich verletzt« haben soll. Der Termin für die Berufungsverhandlung angesetzte Verhandlungstermin am 11. April wurde vom Landgericht auf den 1. August 2012 verlegt. Wir empfehlen, den „Angeklagten" durch den Besuch des Prozesses solidarisch zu unterstützen. Auch der als »Hitler von Köln« bekannt gewordene Nazi Axel Reitz versuchte der die „junge Welt" zu verklagen. Die von ihm beantragte Prozesskostenhilfe für ein Verfahren, gegen die Behauptung vorzugehen, er sei der» selbsternannte Hitler von Köln«, wurde vom Landgericht Köln wegen fehlender Erfolgschancen abgelehnt. Das sind nur einige von der „jungen Welt" veröffentlichte Beispiele, mit denen Tageszeitung durch Prozesskosten wirtschaftlich fertig gemacht werden soll. Im ersten Quartal 2012 sind laut Auskunft der „jungen Welt" Prozesskosten von über 13.000 Euro angefallen. Wir erklären uns mit der „jungen Welt", Diemar Koschmieder, Dr. Arnold Schölzel und den protestierenden Leserinnen und Lesern solidarisch. Damit sich die „junge Welt" weiterhin wehren kann, unterstützen wir den Spendenaufruf für den Prozesskostenfonds (Postbank Berlin, BLZ 10010010, Konto-Nr. 695 682 100, Kontoinhaber: Verlag 8. Mai, Stichwort: Prozesskostenfonds _________________________________________________________ Tatvorwurf: WiderstandBerliner Staatsanwaltschaft und Gericht will das Stören von faschistischen Auftritten und das Veröffentlichen kritischer Texte bestrafen. junge Welt wehrt sich In: junge Welt vom 31.03.2012 Stellen Sie sich vor: Vor Ihrem Haus findet ein Naziaufmarsch statt. Bekannte Neonazigestalten führen Hetzreden. Sie sind wütend, stehen auf dem Balkon Ihrer Wohnung, protestieren. Hinterher melden sich Gericht und Staatsanwaltschaft bei Ihnen: Sie hätten sich an Sprechchören gegen Nazis beteiligt. Zwischen 18.49 und 18.50 hätten Sie versucht, »einen Redebeitrag der Kundgebung dadurch zu stören, dass Sie wiederholt mit einer Suppenkelle auf einen Gastronom-Behälter schlugen.« Außerdem hätten Sie um 20.08 Uhr einen unbekannten Gegenstand in Richtung des Veranstaltungsraumes geworfen. Weil Sie mit solchen Handlungen die faschistischen Redner gestört haben, werden Sie zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Unglaublich, aber wahr. Nur daß die Versammlung am 17. Juni 2011 nicht vor Ihrem Haus, sondern direkt vor dem Gebäude der jungen Welt stattfand. Eine jW-Leserin hat gemeinsam mit anderen gegen den Aufmarsch lautstark protestiert. Zivilcourage nennt man das. Dafür soll sie nun bestraft werden. Zuständige Behörden hatten zuvor den Naziaufmarsch mit dem ehemaligen NPD-Vorsitzenden in voller Absicht vor das jW-Gebäude verlagert. Kontakt mit der jungen Welt haben sie wie die vor Ort eingesetzte Polizei abgelehnt. Hunderte Gegendemonstranten begleiteten den Naziauftritt mit Sprechchören, auch von der Dachterasse der jungen Welt aus. Als der Spuk vorbei war, wurden Dietmar Koschmieder, Geschäftsführer der jungen Welt, und andere jW-Leserinnen und Leser von der Polizei über längere Zeit einer »freiheitsbeschränkenden Maßnahme« unterzogen. Obwohl der Geschäftsführer sich als Pressevertreter auswies und von Polizeibeamten während der Festsetzung mißhandelt wurde, wird diesem nun vorgeworfen »einem Amtsträger, der zur Vollstreckung von Gesetzen berufen ist, bei der Vornahme einer solchen Diensthandlung mit Gewalt Widerstand geleistet zu haben«. Koschmieder soll deshalb eine Geldstrafe von 1500 Euro bezahlen. Gegen beide Strafbefehle wurde Widerspruch eingelegt, ein Termin für die Hauptverhandlung steht noch nicht fest. Dafür aber der nächste gegen jW-Chefredakteur Arnold Schölzel. Zwar wurde er vom Vorwurf, durch den Abdruck eines kritischen Redebeitrages der Publizistin und linken Aktivistin Inge Viett eine Straftat begangen zu haben, vom Amtsgericht bereits freigesprochen. Das aber gefällt der Berliner Staatsanwaltschaft überhaupt nicht, weshalb sie Berufung eingelegt hat. Schölzel habe seine »Verpflichtung, für die strafrechtliche Reinheit des Druckwerks zu sorgen, vorsätzlich verletzt«. Deshalb beantragt Oberstaatsanwalt Raupach »das Urteil aufzuheben und den Angeklagten (...) zu einer schuldangemessenen Strafe zu verurteilen.« Termin für die Berufungsverhandlung ist Mittwoch, 11. April, 13 Uhr vor dem Landgericht Berlin. Auch der als »Hitler von Köln« bekanntgewordene Nazi Axel Reitz versuchte der jungen Welt Schwierigkeiten zu bereiten. Er beantrage Prozeßkostenhilfe beim Landgericht Köln, weil er nicht der »selbsternannte Hitler von Köln« sei, wie von der jW behauptet. Das Gericht folgte allerdings der Argumentation der jungen Welt und wies den Antrag wegen fehlender Erfolgschancen zurück. Das sind nur einige Schlagzeilen aus Prozessen, mit denen wir es zur Zeit zu tun haben. Im ersten Quartal 2012 sind Prozeßkosten von über 13000 Euro angefallen. Damit wir uns auch weiterhin wehren können, bitten wir um Spenden für den Prozeßkostenfonds (Postbank Berlin, BLZ 10010010, Konto-Nr. 695 682 100, Kontoinhaber: Verlag 8. Mai, Stichwort: Prozeßkostenfonds). Verlag, Redaktion, Genossenschaft ___________________________________________________ Was tun!Aufruf an die Leserinnen und Leser der jungen Welt. Sieben Schwierigkeiten beim Bekämpfen der Lüge und Unwissenheit In: junge Welt vom 24.03.2012 Wer heute die Lüge und Unwissenheit bekämpfen und die Wahrheit schreiben will, hat zumindest fünf Schwierigkeiten zu überwinden. Er muß den Mut haben, die Wahrheit zu schreiben, obwohl sie allenthalben unterdrückt wird; die Klugheit, sie zu erkennen, obwohl sie allenthalben verhüllt wird; die Kunst, sie handhabbar zu machen als eine Waffe; das Urteil, jene auszuwählen, in deren Händen sie wirksam wird; die List, sie unter diesen zu verbreiten. Diese Schwierigkeiten sind groß für die unter dem Faschismus Schreibenden, sie bestehen aber auch für die, welche verjagt wurden oder geflohen sind, ja sogar für solche, die in den Ländern der bürgerlichen Freiheit schreiben«, beginnt Bert Brecht seinen Aufsatz »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit«, entstanden in Paris 1938. Als Zeitung, die unter den Bedingungen bürgerlicher Freiheit versucht, Lüge und Unwissenheit zu bekämpfen, möchten wir zwei weitere hinzufügen: Wer heute die Wahrheit verbreiten will, braucht Organisationsstrukturen, um Erkenntnisse, Analysen, Informationen wenigstens einem relevanten Teil der Bevölkerung bekannt machen zu können. Und ausreichend Finanzmittel, weil nur dann eine solche Zeitung erstellt und verbreitet werden kann. Gerade die letzten beiden Schwierigkeiten kann die junge Welt nur überwinden, wenn sie von ihren Leserinnen und Lesern dabei konkret unterstützt wird. Auch dank Ihrer Hilfe, liebe Leserinnen und Leser, wird die jW als konsequente Zeitung gegen Krieg und Imperialismus in den letzten Jahren immer stärker wahrgenommen. Damit wachsen aber gleichsam die Verantwortung der jungen Welt wie auch Versuche, ihr Schwierigkeiten zu bereiten. Einen zentralen Grund dafür nennt Brecht in seinem Aufsatz von 1938: »Die große Wahrheit unseres Zeitalters (mit deren Erkenntnis noch nicht gedient ist, ohne deren Erkenntnis aber keine andere Wahrheit von Belang gefunden werden kann) ist es, daß unser Erdteil in Barbarei versinkt, weil die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln mit Gewalt festgehalten werden. Was nützt es da, etwas Mutiges zu schreiben, aus dem hervorgeht, daß der Zustand, in den wir versinken, ein barbarischer ist (was wahr ist), wenn nicht klar ist, warum wir in diesen Zustand geraten? Wir müssen sagen, daß gefoltert wird, weil die Eigentumsverhältnisse bleiben sollen. Freilich, wenn wir dies sagen, verlieren wir viele Freunde, die gegen das Foltern sind, weil sie glauben, die Eigentumsverhältnisse könnten auch ohne Foltern aufrechterhalten bleiben (was unwahr ist).« Wer aber wie wir mit der jW solche Wahrheiten verbreitet, muß mit Angriffen jener rechnen, die sie weiter verschleiern wollen. Dem kann nur begegnet werden, wenn der Kreis der Leserinnen und Leser ständig erweitert wird. Das ist aber bloß mit erhöhtem personellen, organisatorischen und finanziellen Aufwand möglich. Deshalb brauchen wir die starke Unterstützung unserer bisherigen Leserinnen und Leser. Darum bitten wir Sie auch heute. Wir haben sieben Möglichkeiten zusammengestellt, mit denen Sie uns beim Kampf für die Verbreitung der Wahrheit unterstützen können. Anleitung zum Handeln 1. Printabo abschließen. Die Einnahmen aus Abonnements sind die wichtigste Finanzierungsquelle der jungen Welt und Basis ihrer ökonomischen Unabhängigkeit. Schalten Sie ein Printabo - oder werben Sie eines für uns (den Abocoupon finden Sie in dieser Zeitung auf Seite sieben oder im Internet unter www.jungewelt.de/abo). 2. Onlineabo schalten. Sehr viele nutzen unser journalistisches Angebot auch im Internet, allerdings zahlen die meisten dafür nichts. Aber Grundlage ist auch hier der Aufwand, den wir betreiben müssen, um die Tageszeitung junge Welt zu erstellen. Beteiligen Sie sich an den Kosten und abonnieren Sie die jW-Onlineausgabe (bestellbar unter www.jungewelt.de/onlineabo)! 3. Beim Abopreis umsteigen. Falls Sie bereits Abonnent sind und es sich leisten können, steigen Sie vom Sozial- auf das Normal- oder Soliabo um. Diese Möglichkeit gibt es für das Print- wie für das Onlineabo. Das Sozialabo ist vor allem für Menschen mit größeren finanziellen Problemen gedacht. Denen ermöglichen Sie mit Ihrem Umstieg den Bezug der jungen Welt (eine kurze Mitteilung, auf welche Preisstufe Sie umsteigen wollen unter Angabe Ihrer Kundennummer per Brief oder E-Mail an junge Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin oder reicht). 4. Genossenschaftsmitglied werden. Die junge Welt braucht und bekommt keine Bankkredite und finanziert Projekte und Liquiditätsengpässe über die eigene Genossenschaft. Werden Sie Mitglied. Oder zeichnen Sie zusätzlich einen (oder mehrere) Genossenschaftsanteil (e). (formloser Aufnahmeantrag oder Erhöhungsmitteilung an LPG junge Welt eG, Torstraße 6, 10119 Berlin oder über Formular, zu finden unter www.jungewelt.de/lpg und gelegentlich in der Printausgabe). 5. Probeabos sammeln. Das ganze Jahr über verschenken wir großzügig Drei-Wochen-Probeabos, weil wir die Menschen von der Zeitung am besten mit der Zeitung selbst überzeugen können. Im Moment wollen wir mit der Kampagne »Sieben auf einen Streich« 3000 solcher Probeabos einwerben. Wir bitten alle unsere Leserinnen und Leser, im Freundes- und Bekanntenkreis möglichst viele Menschen für ein Probeabo zu gewinnen. Jede Adresse hilft, es müssen nicht unbedingt sieben sein (Probeabos können formlos bestellt werden, nutzen Sie auch unsere Coupons in der Zeitung oder die Siebenerliste, die wir Ihnen gerne zuschicken oder online unter www.jungewelt.de/aktion). 6. Geld für den Lesefonds »Das freie Lesen« spenden. Alleine die Siebenerkampagne kostet uns weit über 20000 Euro. Mit einer Spende (wichtig: Stichwort »Lesefonds«) helfen Sie uns, damit wir Probeabos auch für das laufende Jahr weiterhin großzügig verteilen können, um so den Bekanntheitsgrad der Zeitung (und den Abobestand) zu erhöhen. Kleine wie große Spenden helfen sehr! (Postbank Berlin, BLZ 10010010, Konto-Nr. 695682100, Kontoinhaber: Verlag 8. Mai GmbH, Stichwort: Lesefonds). 7. Zeitungen verteilen. Das ganze Jahr über können Sie für regionale Veranstaltungen und Kundgebungen Verteilexemplare der jungen Welt bestellen. Die Ostermärsche und die 1.-Mai-Kundgebungen 2012 sind bundesweite junge Welt-Aktionstage: Keine Veranstaltung ohne jW! An über 80 Orten sollen mehr als 25000 Zeitungen verteilt werden. Auch das schaffen wir nur, wenn sich möglichst viele Leserinnen und Leser ganz praktisch an der Aktion beteiligen und sich bei uns melden. ( www.jungewelt.de/verteilen). Uns ist klar, daß die Möglichkeiten unserer Leserinnen und Leser, nach diesem Aufruf aktiv zu werden, sehr unterschiedlich sind. Deshalb bitten wir Sie, aus dieser Liste die für Sie am besten passenden Aktivitäten herauszusuchen. Wichtig ist, daß Sie den guten Vorsätzen möglichst rasch Taten folgen lassen. Damit wir handlungsfähig bleiben. Warum das nötig ist, hat Bert Brecht in der Schlußsequenz des oben genannten Aufsatzes zusammengefaßt: »Und alle diese (...) Schwierigkeiten müssen wir zu ein- und derselben Zeit lösen, denn wir können die Wahrheit über barbarische Zustände nicht erforschen, ohne an die zu denken, welche darunter leiden, und während wir, immerfort jede Anwandlung von Feigheit abschüttelnd, die wahren Zusammenhänge im Hinblick auf die suchen, die bereit sind, ihre Kenntnis zu benützen, müssen wir auch noch daran denken, ihnen die Wahrheit so zu reichen, daß sie eine Waffe in ihren Händen sein kann und zugleich so listig, daß diese Überreichung nicht vom Feind entdeckt und verhindert werden kann.« - Was nur gelingt, wenn rechtzeitig gehandelt wird. Verlag, Redaktion, Genossenschaft ___________________________________________________ |
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