Peter Schmuck 

Rede zur Gedenkkundgebung aus Anlaß der Ermordung von 9 Antifaschisten am 25. Januar 1933 im Keglerheim

 

Liebe Freunde, liebe Antifaschisten, liebe Genossinnen und Genossen, 

 

Am 21. Januar 1933 warnte das Zentralkomitee der KPD vor einem Naziaufmarsch in Berlin und rief zu antifaschistischen Aktionen auf.  

Unter starkem Polizeischutz organisierten die Nazis am 22. Januar 1933 in Berlin einen SA Aufmarsch mit etwa sechzehntausend Teilnehmern vor dem Karl-Liebknecht-Haus, dem Sitz des Zentralkomitees der KPD.  

Die Polizei besetzte das KPD-Haus. 

Überall in der Stadt kam es zu Gegendemonstrationen von Kommunisten und Antifaschisten. Ein Polizeibericht meldete allein 19 solcher Demonstrationen die von der Polizei aufgelöst worden.  

In den Straßen rund um den abgesperrten Bülow-Platz (es ist der heutige Rosa-Luxemburg-Platz) fanden zahlreiche antifaschistische Kundgebungen statt. 

Die Ursachen der sich zuspitzenden Klassenauseinandersetzungen waren die Reichstagswahlen vom 6. November 1932. Die KPD konnte ihren Einfluss erweitern. Mit rund 6 Millionen Stimmen wurde sie in Berlin und einigen anderen Industriezentren zur stärksten Partei. Der Einfluss der Sozialdemokraten ging weiter zurück. Die größte Niederlage erlitten jedoch die Nazis. Sie verloren über 2 Millionen Stimmen. 

Auch bei den Kommunalwahlen in Sachsen, die acht Tage später, am 13. November 1932 stattfanden, ging die KPD erneut verstärkt hervor. Dagegen verlor die SPD viele Stimmen. Für die Nazis war es ein erneuter katastrophaler Rückgang. Die revolutionären Kräfte unter Führung der KPD brachten die faschistische Welle zum Stillstand und waren dabei, sie zu überholen. 

Die Bourgeoisie sah, wie es mit der NSDAP abwärts ging. Sie fürchtete die letzte Waffe zur Niederschlagung der revolutionären Arbeiterbewegung zu verlieren. Deshalb wandte sich eine Gruppe von Konzernherren, wie der Bankier Schacht, Schröder, Thyssen, Krupp und andere, an den Reichspräsidenten Hindenburg. Sie forderten ihn auf, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Somit vollzog sich die Einigung aller reaktionären Kräfte gegen die wachsende revolutionäre Bewegung. Die Entwicklung drängte zu einer Entscheidung. Deshalb griffen die Kräfte der Monopolbourgeoisie wie schon oft in der Geschichte (auch heute noch) zur Provokation.  

In Dresden war die Situation für die Nazis etwas günstiger. Hier war der Staatsapparat im starken Maße von Faschisten durchsetzt. Durch das Aufdecken und Nachweisen des Fememords an dem NSDAP-Mitglied Julius Hentsch wurde die Naziverseuchung in der Dresdner Polizei noch deutlicher. Die Dresdner Polizei drang auf Rache. 

Die KPD Sachsens plante, am 25. Januar 1933 in ganz Sachsen Protestaktionen gegen die faschistische Provokationen durchzuführen. Geschichtsfälscher (heutzutage haben wir von dieser Sorte reichlich) versuchten das, was im Keglerheim passierte als eine unglückliche Eskalation darzustellen. Oder sogar die Kommunisten hätten das geplant. 

Die Wahrheit aber geht unter anderem von folgendem Beispiel hervor. Aus einer Zuschrift die die SPD von einem Beamten erhielt heißt es, ich zitiere: „Schon am Tage vor dem betreffenden Fall, also am Dienstag den 24. Januar ließ ein Kollege meines Schwagers (er ist ein Nationalsozialist) beiläufig die Bemerkung fallen: 'Na, morgen werden die Antifaschisten in die Mausefalle kriechen! Wir haben die richtigen Kaltnasen dabei, denen wird es auf Wochen vergehen, Versammlungen zu besuchen. Wir werden für leere Säle sorgen!' " Das beweist, es war ein sorgfältig geplanter eiskalter Mord! 

In Dresden begann die Protestaktion mit einer Kundgebung auf dem Bönischen Platz. Gegen 17:00 Uhr trafen die ersten Arbeiterkolonnen ein. Beim Anmarsch des starken Löbtauer Zuges erfolgten schon die ersten Polizeiprovokationen. Es kamen die Demonstranten aus Striesen und aus Johannstadt. Andere Demonstrationszüge wurden schon vorher gestoppt. Die Polizei verbot den Demonstrierenden ihre Arbeiterlieder zu singen.  

Dabei denke ich zum Beispiel an den 16. November 2013. Antifaschisten trafen sich vor dem Militärhistorischen Museum in Dresden. Sie protestierten und demonstrierten gegen die Inbetriebnahme der so- genannten RSU-Kompanie. Wie wir alle wissen, sind das die neuen Freikorps. Sie stehen unter dem Kommando der Bundeswehr. Solche Freikorps schossen damals auf Arbeiter. Diese Freikorps ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Solche Militäreinsätze haben in Deutschland eine lange Tradition. Es ist eine Tradition von Blutschande. 

Während dieser Protestveranstaltung ging die Dresdner Polizei brutal gegen FDJ ler vor. Sie verhafteten sie und nahmen ihnen mit Gewalt ihr FDJ-Hemd weg, obwohl die Freie Deutsche Jugend laut Einigungsvertrag nicht verboten ist. Die Dresdner Polizei scherte sich einen Dreck darum. Wie die Bilder sich so gleichen. 

Zurück zum Bönischplatz. Die Redner riefen zur Einheitsfront auf. Die KPD erläuterte auf dieser Kundgebung die unmittelbare Gefahr des Faschismus. Am Ende dieser Kundgebung formierte sich ein Zug von etwa 1200 Arbeitern, die hierher zur Friedrichstraße zogen. Auch dieser Zug wurde unterwegs mehrmals von der Polizei angehalten und provoziert. Der Saal im Keglerheim konnte nicht genug Platz bieten. Es befanden sich 600-800 Menschen in diesem Saal. Die Polizei verbot, die Galerie zu öffnen. 

Das Mitglied der KPD Fraedrich sprach zu den Arbeitern. Er sprach über die Krise, die volksfeindlichen Maßnahmen der Regierung und über die Rolle der Nazis in der Politik der Bourgeoisie. Als der Redner den Terror der Nazis anprangerte und die Arbeiter aufforderte mit der Aktionseinheit dagegen vorzugehen löste der anwesende Polizeikommissar die Versammlung sofort auf. Der Saalschutz der KPD begann die empörten Massen zur Räumung des Saales zu bewegen. 

Die Polizei hatte aber schon vorgesorgt, indem sie die Notausgänge verschlossen hatte. Ein weiterer Beweis, dass es sich um einen geplanten Mord handelte. Wie es dieser eine Nazi schon am Vortag angekündigt hatte, wir erinnern uns, er sagte unter anderem: "Wir haben die richtigen Kaltnasen dabei." Genauso war es auch. 

Die Nazis holten sich aus Meißen Polizei-Schüler. Das waren ausgesuchte zwanzigjährige junge Leute. Sie wurden direkt als Arbeitermörder abgerichtet. Sie waren speziell für solche Maßnahmen ausgebildet. Es waren eiskalte, gefühlslose Killer. 

Ein Drittel des Saales war bereits geräumt, da gab ein Polizeibeamter einen Schuss ab und andere folgten. Die Polizei-Schüler schossen in die Menge. 9 Tote, 11 Schwerverletzte und zahlreiche Leichtverletzte waren die Opfer dieses ungeheuerlichen Blutbads. Die Sanitätstruppen wurden 1 Stunde lang von der Polizei abgehalten ehe sie erste Hilfe leisten durften. 

  

Liebe Freunde, Liebe Antifaschisten, Liebe Genossinnen und Genossen, 

welche Lehren ergaben sich 1933 und heute aus dem Blutbad und den Kampf der Dresdner Arbeiter gegen den Faschismus? 

Die Bourgeoisie respektiert nur dann Wahlen und die bürgerliche Demokratie, wenn dadurch ihre Profite und ihrer Herrschaft unberührt bleiben. Als sich in den dreißiger Jahren aufgrund der Weltwirtschaftskrise die Klassengegensätze verschärften und die Arbeiterklasse unter der Führung der KPD die kapitalistische Herrschaft bedrohte, errichteten sie die faschistische Diktatur und stürzten unser Volk und viele andere Völker in den bisher verheerendsten Krieg der Menschheitsgeschichte. 

Die Situation heute in Deutschland, in Europa und auf der Welt ist nach wie vor gekennzeichnet durch die Verschärfung der ökonomischen Krise, die Zuspitzung der Gefahr militärischer Auseinandersetzungen und immer knapper werdender Ressourcen und geostrategischer Einflüsse. Sie ist gekennzeichnet durch Bespitzelung, staatliche Repression, schleichende Faschisierung und dem systematischen Abbau der demokratischen Freiheitsrechte der Bürger. Die soziale und ökonomische Situation der Arbeiterklasse verschlechtert sich weiter, insbesondere auch in den Ländern Europas, die von der Finanz-und Schuldenkrise am stärksten betroffen sind. 

Begleitet werden diese Entwicklungen durch einen immer aggressiver auftretenden Antikommunismus und Revisionismus. Dies geschieht mit dem Mitteln der Lüge und Verleumdung. Es werden die Errungenschaften der DDR verunglimpft und jede Alternative zum kapitalistischen System gegen Ausbeutung und imperialistische Gewalt verteufelt. 

So wie sich 1933 die KPD für die Aktionseinheit der Arbeiterklasse einsetzte, so setzt sich die KPD heute dafür ein, auch in schwierigen Zeiten, Gesicht und Flagge zu zeigen. Durch das Zusammenführen von Kommunisten, Sozialisten und aller friedliebenden Menschen führen wir den Kampf um die Aktionseinheit fort. 

  

Nie wieder darf der Faschismus bei uns und überall auf der Welt an die Macht kommen. 

 

Rot Front!