Wir sind es leid!

Redebeitrag der SDAJ Dresden bei der Demo zum Tag der Lohnabhängigen 2014

Wir, die jungen Arbeiterinnen und Arbeiter sind sie leid; die Bilder, die uns das 21. Jahrhundert aus aller Welt liefert. Wir können sie nicht mehr ersehen, die Schuttberge in Bangladesh, die vorher Bauten des westlichen Monopolkapitals zur Billigproduktion von Kleidung und Tempel chauvinistischer Ausbeutung waren.

Wir sind es leid, den Millionen Leidenden der sogenannten "Dritten Welt" beim Hungern und Siechen zuzusehen, während die angebliche humanistische Hilfe der NATO- und EU-Staaten nichts als Militäreinsätze zur Absatzgewinnung und ideologische Indoktrinierung bedeuten.

Wir sind es leid, den Flüchtlingen beim Ertrinken im Mittelmeer zuzusehen und wie sie vom EU-Todeskommando Frontex gehetzt, interniert oder erschossen werden.

Wir sind den Terror des Erdogan-Regimes leid, der auf linke und progressive Demonstrantlnnen einschlagen lässt, Kurdinnen verfolgt und nicht einmal davor zurückschreckt, Vierzehnjährige beim Brotholen zu ermorden.

Wir sind es leid, in einer EU der Banken und Konzerne zu leben, deren Standortlogik Millionen der Arbeitslosigkeit und Armut, der Vertreibung und Hetze rassistischer Parteien und Milizen aussetzt.

Wir sind die Faschisierung leid, denen Antifaschistinnen in Griechenland, der Ukraine und vielerorts zum Opfer fallen.

Wir sind den Rassismus leid, unter dem Refugees, Sinti und Roma, Jüdinnen und Juden, Muslime und weitere Minderheiten in Europa zu leiden haben.

Wir haben die Doppelbelastung weiblicher Arbeiterinnen durch die Verwertungslogik des Neoliberalismus satt, genauso wie die Diskriminierung Nicht-Heterosexueller und das Abwälzen der kapitalistischen Krisenlasten zu Ungunsten irgendeiner Altersschicht.

In Dankbarkeit an die marxistischen Analysen Karl Liebknechts, sind wir vorrangig aber Eines leid: Die Bundesrepublik Deutschland. Wir sind ihre imperialistische Politik in Europa und der Welt überdrüssig, ihre Austeritätspolitik zur Sicherung des eigenen Mehrwertgewinns.

Wir wollen ihre rassistischen Abschiebepraktiken nicht mehr und ihre Flüchtlingspoli-tik, als wäre ihre wirtschaftliche und militärische Aggressivität nicht selbst für Flucht und Vertreibung der Ursprung. Wir wollen ihr Hofieren reaktionärer Kräfte, von Thilo Sarrazin bis zur sozialdarwinistischen "Alternative für Deutschland" nicht mehr, genauso wenig wie wir ihre Propaganda nicht mehr wollen, die uns eine heile Welt vorgaukelt, während Hunger, Krankheit und Unterdrückung das Weltproletariat geißeln und eben jene Bilder erzeugen, die wir nicht mehr ersehen können.

Unsere Konsequenz, die der Arbeiterinnen-Jugend der SDAJ, die der proletarischen Jugend, die in der BRD groß werden muss und die des jungen Weltproletariats:

Wir werden nicht mehr wegsehen, nicht mehr alles wegstecken, sondern den Wurzeln, dem Kapitalismus zu Leibe rücken.

Wir werden - international und solidarisch - für Frieden und Gleichheit kämpfen - für den Sozialismus.

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