Wolfram Triller

Leben - Singen – Kämpfen

Redebeitrag zum Konzert des Ernst Busch Chores am 16. August 2014 in Dresden

Liebe Chormitglieder, werte Gäste

Ich weiß nicht welche Empfindungen sie bei dem bisher gehörten hatten. Ich selbst fühlte mich in jene Sturm- und Drangzeit zurück versetzt, als in unserem Land nach einem verheerenden Krieg viele Menschen neue Hoffnung schöpften. Sie ließen sich von den Sorgen, von Hunger und vielfach elenden Lebensbedingungen nicht entmutigen. Sie machten sich daran, aus den Trümmern etwas Neues aufzubauen. Sie hatten nicht immer klare Vorstellungen, wie das Neue aussehen sollte. Aber Krieg und Faschismus sollte nie wieder ihr Leben bestimmen.

Die gemeinsamen Anstrengungen bei der Beseitigung der materiellen und geistigen Trümmer waren zugleich ein großer und widersprüchlicher Lernprozeß. Es wuchs ein Bewusstsein über historische Ursachen und Zusammenhänge, das in zunehmendem Maße die Umrisse einer sozialistischen Gesellschaft erkennen ließen. Es wuchs die DDR als das Werk von Millionen. Es entstand der erste deutsche Friedensstaat, auf den wir noch heute stolz sein können.

Beim Entstehen dieses neuen Bewusstseins haben Kunst und Kultur eine nicht zu überschätzende Rolle gespielt. Für meine Generation und die unserer Kinder waren die Lieder, die wir heute schon gehört haben und die wir noch hören werden, bewußtseinsprägend.

  • Sie vermitteln auch heute noch auf einprägsamen und mitreißende Weise Klassenpositionen.
  • Sie verdeutlichen das Wesen von Kämpfen. Sie prägen den Stolz auf das Erreichte.
  • Sie motivieren zum Mitmachen beim Aufbau des Sozialismus aber auch zum Mitsingen.
  • Vor allem aber schaffen sie ein Lebensgefühl, ein Gemeinschaftsgefühl für die Gleichgesinnten.

Doch in dem Maße, wie die kapitalistische Gesellschaft die Menschen individualisiert, gehen die menschenverbindenden, politischen Lieder verloren.

Sie werden ersetzt durch

kulturzerstörenden Events, durch fanatisierende Idole, die die Wirklichkeit verklären bzw. von ihr ablenken und die Zuhörer in die gesellschaftliche Isolierung treiben.

Es lebe das Musikantenstadel!

Doch dem Kapitalismus gelingt es nicht, seine sich verschärfenden Konflikte im pluralen Einerlei zu ertränken. Widerstand wächst. Bekannte Künstler - wir Hannes Wader, Konstantin Wecker, Reinhard Mey u.a. - durchschauen immer klare, in welche Katastrophe das imperialistische System die Menschheit treibt. Ihr öffentliches Auftreten trägt dazu bei, den gesellschaftlichen Widerstand zu formieren und ihm eine Stimme zu geben. Dort werden dann auch wieder die Lieder gesungen, denen sich der Buschchor verpflichtet fühlt. Es gilt den Titel unseres Alten FDJ-Liederbuchs wieder mit Leben zu erfüllen:

Leben - Singen - Kämpfen.

Oft kann ein Lied aktuelle Ereignisse besser und wirkungsvoller verdeutlichen als ein ausführlicher theoretischer Vortrag. Z.B. das Lied:

„Und weil der Mensch ein Mensch ist. ….

Aber ihre volle Wirkung erreicht Musik erst, wenn sie einen wirksamen Resonanzboden findet – eine wissenschaftliche Weltanschauung, eine Weltanschauung, die hilft, die Rattenfänger zu entlarven.

Und die Rattenfänger des Kapitals sind gegenwärtig besonders aktiv. Sie erzählen uns etwas von

  • der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts".
  • Sie wollen uns glauben machen, daß die westlichen Demokratien dazu berufen sind, die Menschenrechte weltweit zu verteidigen bzw. durchzusetzen.
  • Dazu wollen Sie in der UNO das Prinzip „Responsibility to Protect" durchzusetzen. Sie fühlen sich dazu berufen, mit dieser „Schutzverantwortung" Sicherheit und Menschenrechte zu verteidigen, Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischer Säuberung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen.
  • Als besonders engagierter Verfechte dieses Prinzips präsentiert sich immer wieder Bundespräsiden Gauck.

Dazu konstruieren sie immer neue Feindbilder, die dazu dienen sollen, imperialistische Profitinteressen zu verschleiern und Mensche aufeinander zu hetzen.

Sie verbreiten Angst, damit neue und immer grausamere Rüstungsprojekte akzeptiert werden. Und wollen uns glauben machen, das alles nur dem Schutz unserer Interessen und der Sicherung der freien Marktwirtschaft dient, zu der es keine Alternative gibt.

Es gilt nicht nur der Satz: Die Wahrheit stirbt vor dem Krieg. Die Wahrheit stirbt im Imperialismus täglich.

Kiews ukrainische Innenminister, Arsen Awakow, forderte vor kurzem »Wir müssen ein Propagandaministerium gründen, ohne uns zu schämen. Das ist ein wichtiger Teil des Krieges - des Krieges um die Gehirne.« 

Gemeinsam mit seinen Stichwortgebern aus den westlichen Demokratien wurde diese Kriegspropaganda zu einer regelrechten Kriegshysterie ausgeweitet. Die westlichen Qualitätsmedien halluzinieren schon von einem 3. Weltkrieg.

Nach 1990 war von einer Friedensdividende und dem Ende des Kalten Krieges die Rede. In Wirklichkeit hat der Imperialismus den Partner für das strategische Gleichgewicht verloren. Seitdem entfaltet es seine Wesensmerkmale fast ungehemmt.

Dabei hat Karl Liebknecht diese Merkmale schon vor 100 Jahren klar benannt. In seiner Begründungen für die Ablehnung der Kriegskredite, die er am 2. Dezember 1914 dem Reichstagspräsidenten überreichte schrieb er:

„Meine Abstimmung zur heutigen Vorlage begründe ich wie folgt:

  • dieser Krieg, denen keines der beteiligten Völker selbst gewollt hat, ist nicht für die Wohlfahrt des Deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt.
  • Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg, einen Krieg um die kapitalistische Beherrschung des Weltmarktes und die politische Beherrschung wichtiger Siedlungsgebiete für das Industrie- und Bankkapital.
  • Es handelt sich vom Gesichtspunkt des Wettrüstens um einen von der deutschen und österreichischen Kriegspartei gemeinsam im Dunkel des Halbabsolutismus und der Geheimdiplomatie hervorgerufenen Präventivkrieg.
  • Es handelt sich auch um ein bonapartistisches Unternehmen zur Demoralisierung und Zertrümmerung der anwachsenden Arbeiterbewegung.

Die deutsche Parole " gegen den Zarismus" diente - ähnlich der jetzigen englischen und französischen Parole „ gegen den Militarismus" - dem Zweck, die edelsten Instinkte , die revolutionären Überlieferungen und Hoffnungen des Volkes für den Völkerhass zu mobilisieren.

Deutschland, der Mitschuldige des Zarismus, das Muster politischer Rückständigkeit bis zum heutigen Tage, hat keinen Beruf zum Völkerbefreier. Die Befreiung des russischen wie des deutschen Volkes muss deren eigenes Werk sein.

Ein schleuniger, für keinen Teil demütigender Friede, ein Friede ohne Eroberungen, ist zu fordern; alle Bemühungen dafür sind zu begrüßen. Nur die gleichzeitige dauernde Stärkung die auf einen solchen Frieden gerichteten Strömungen in allen Krieg führenden Staaten kann dem blutigen Gemetzel vor der völligen Erschöpfung aller beteiligten Völker Einhalt gebieten.

Nur ein auf dem Boden der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse und der Freiheit aller Völker erwachsener Friede kann ein gesicherter sein. So gilt es auch für das Proletariat aller Länder, auch heute im Krieg gemeinsame sozialistische Arbeit für den Frieden zu leisten.

Unter Protest (stimme ich)

  • gegen den Krieg,
  • seine Verantwortlichen und Regisseure,
  • gegen die kapitalistische Politik, die ihn heraufbeschwor,
  • gegen die kapitalistischen Ziele, die er verfolgt, gegen die Annexionspläne,
  • gegen den Bruch der belgischen und luxemburgischen Neutralität,
  • gegen die Militärdiktatur,
  • gegen die soziale und politische Pflichtvergessenheit, deren sich die Regierung und die herrschenden Klasse auch heute noch schuldig machen, …

(Ich) lehne …die geforderten Kriegs-Kredite ab."

Seitdem sind 100 Jahre vergangen, aber am Wesen des Imperialismus hat sich nichts geändert. Liebknechts Argumente gelten auch heute noch. Selbst die Methoden der Kriegsvorbereitung sind die Gleichen. Kriege werden begonnen mit Lügen, Provokationen und Verfälschung von Ereignissen.

  • Für den 1. Weltkrieg war es der „Mord in Sarajewo",
  • für den 2. der „Überfall auf den Sender Gleiwitz",
  • das Kriegsargument für den Irak-Krieg 1990 war die Brutkasten-Lüge,
  • das angebliche „Massaker von Racak" sollte 1999 den Jugoslawien-Krieg rechtfertigen,
  • Saddam Husseins verfügte angeblichen über Massenvernichtungswaffen (Irak-Krieg 2003) und
  • die vorgebliche Bombardierung von Zivilisten diente als Begründung für den Libyen-Krieg 2011.

Das sind hier nur einige „Highlights" in diesem Zusammenhang. Gegenwärtig ist der Absturz des Flugzeugs aus Malaisia über der Ukraine die Begründung für die Putinphobie. Sie kann der Funke werden, der die Welt in ein neues Chaos stürzt.

Um so dringender ist es, sich über die wahren Zusammenhänge der sich zuspitzenden Kriegsgefahr bewusst zu werden.

Ihr Kern besteht in dem Versuch der USA ihre unipolare Weltmacht und die Herrschaft des Monopolkapitals durchzusetzen.

Der US-Professor Tyler Cowen von der George Mason Universität hat es neulich mit der Feststellung auf den Punkt gebracht: „Das Ausbleiben von Groß-Kriegen und fortdauernder Frieden schadet dem weltweiten Wirtschafts-Wachstum."

Wie hieß es doch bei Marx: "Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit …, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. … 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens."

Dabei lautet eine wesendlich Kapitalstrategie:

Balkanisierung – auch mit Hilfe „bunter Revolutionen".

Den Ansatzpunkt dabei bilden soziale, ethnische, religiöse, historische oder politische Konflikte in den Staaten, die über wichtige Rohstoffe verfügen und für das Kapital verwertbar gemacht werden sollen. Mit finanzieller und ideologischer Unterstützung werden jene Kräfte formiert, die eine solche Destabilisierung des jeweiligen Staates herbeiführen, durch die ein Systemwandel in Interesse des USA-Kapitals möglich wird. Wenn notwendig werden die Quislinge auch militärische ausgerüstet.

Deren ideologischen Positionen spielen dabei kaum eine Rolle. Verwertbar sind Islamisten, Christen, Nationalisten und selbst Faschisten. Zerfallende Staaten sind dabei eine spezielle Form der von Lenin charakterisierten Neuaufteilung der Welt.

Aktuelle erleben wir den Versuch, mit dem Ukrainekonflikt den Weg für die Balkanisierung Russlands frei zu machen.

Allerdings gerät dabei der amerikanische mit dem deutschen Imperialismus hinsichtlich der Art des Vorgehens in Konflikt. Auch die möglichen zukünftigen Opfer dieser Strategie - vor allem in Südamerika - leisten Widerstand. In dieser komplizierten Gemengelage fällt es den Friedenskräften schwer, eine wirksame Gegenbewegung zu organisieren.

Notwendig ist, Lenins Hinweis zu beachten:

„Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug, .. ( und ) sie werden es immer sein, solange sie nicht lernen, hinter allen möglichen moralischen, religiösen, politischen und sozialen Phrasen, Erklärungen und Versprechungen die Interessen dieser oder jener Klassen zu suchen ...".

Diese Interessen sind oft nicht sofort ersichtlich. Dann hilft es meist, sich die Frage zu stellen; Wem nützt es?

Und das Mittel, den Schwankenden zu helfen ist, daß man selbst aufhört, zu schwanken.

Mögen in der Fortsetzung unseres Konzerts Zweifel ausgeräumt, Mut und Zuversicht gestärkt werden, damit wir Morgen noch konsequenter als Propagandisten und Kämpfer für den Frieden auftreten können.

Auch mit einem Lied auf den Lippen.

Laßt mich die Brechtsche Mahnung wiederholen:

Denn der Menschheit drohen Kriege,

gegen welche die vergangenen

wie armselige Versuche sind,

und sie werden kommen

ohne jeden Zweifel,

wenn denen,

die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten,

nicht die Hände zerschlagen werden.? ____________________________________________

 

 

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