Dresdner Friedensbündnis 

Kontakt: Prof. Dr. Triller 

Tel.: 0351-8389732 

E-Mail: W.Triller@freenet.de 

 

Mitteilung 

 

von Teilnehmern der Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2015 in der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden (ehem. Richthof) zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus - Antifaschisten, die sich als Nachkommen ehemaliger Kämpfer gegen Faschismus und Krieg, ehemaliger Häftlinge und Ermordeter in der Pflicht sehen, neuen Entwicklungen von Antikommunismus, Fremdenhass, Rassismus und Nationalismus durch Wachsamkeit, Aufklärungsarbeit und Mobilisierung zum Widerstand entgegenzutreten. 

 

Wir bestehen darauf, dass die gesellschaftlichen Ursachen für diese verhängnisvollen Entwicklungen nicht verschwiegen, sondern benannt werden und die Zukunftsperspektive verkündet wird, wie sie im Schwur von Buchenwald vorgegeben ist: 

 

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig." 

 

Wir anerkennen mehrheitlich, dass seitens der Redner auf der Gedenkveranstaltung die Notwendigkeit des Zurückweisens von Fremdenhass und Bedrohung Andersdenkender aus unterschiedlichen persönlichen Motiven benannt wurde, auch wenn so manche Konsequenz offen blieb. Wir sind den Sängern des Sächsischen Bergsteigerchores Kurt Schlosser für das Lied „Anmut sparet nicht noch Mühe" sehr dankbar. Es berührte zutiefst unsere Hoffnungen. Wir mussten kein „Deutschland über alles" ertragen. 

 

Wir werden uns dafür einsetzen, dass zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus in Dresden würdig und ehrenvoll die Heldentaten der Befreier gewürdigt werden und die Front der Gegner der gegenwärtigen faschistischen Bewegung und der Beteiligung Deutschlands an den imperialistischen Sezessions- und Rohstoffkriegen Zulauf und Stärkung erfährt. 

 

Schon bei diesem heutigen Anlass orientieren wir auf den 70. Jahrestag des Potsdamer Abkommens der Siegermächte. Die Bundesrepublik schuldet seit ihrem Bestehen in wesentlichen Bestimmungen seine Umsetzung! Sonst wäre ein „Nationalsozialistischere Untergrund" nicht möglich. Sonst würden Antifaschisten nicht kriminalisiert und verfolgt; usw. 

 

Im Anschluß an die Gedenkveranstaltung Gedenkstätte Münchner informierte das Dresdner Friedensbündnis an der steinernen Gedenkwand des Campus über die Erklärung der Lagergemeinschaften, Komitees und Interessenverbände ehemaliger Häftlinge zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager „ERBE ANTRETEN – VERMÄCHTNIS WEITERTRAGEN", die unsere uneingeschränkte Unterstützung findet. 

 

Wir veröffentlichen hiermit diese Erklärung nachstehend. 

 

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Erbe antreten – Vermächtnis weitertragen 

 

Erklärung der Lagergemeinschaften, Komitees und Interessenverbände ehemaliger Häftlinge zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager 

 

Vor 70 Jahren wurden die Häftlinge der Konzentrationslager durch Angehörige der sowjetischen, amerikanischen, britischen, französischen und polnischen Streitkräfte befreit.  

 

Am 19. April 1945 versammelten sich ehemalige Häftlinge des selbstbefreiten Konzentrationslagers Buchenwald zu einer Trauerkundgebung für ihre ermordeten Kameraden und erklärten feierlich: 

 

„Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig." 

 

Der Schwur von Buchenwald ging in die Geschichte ein. Ehemalige Häftlinge anderer Konzentrationslager, wie Auschwitz, Dachau, Mauthausen, Neuengamme, Ravensbrück und Sachsenhausen schlossen sich ihm an. 

 

Nach ihrer Befreiung haben die ehemaligen Häftlinge Interessenverbände aufgebaut und deren Arbeit jahrzehntelang maßgeblich gestaltet. Sie haben sich in den zurückliegenden 70 Jahren immer wieder dafür engagiert, eine Wiederkehr ähnlicher Verbrechen zu verhindern. Sie brachten insbesondere jungen Menschen ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den Lagern nahe. Sie erzählten von dem Leid, das sie in ihrer eigenen Jugend erfahren mussten, von ihrem Widerstand und dem ihrer verstorbenen und ermordeten Kameradinnen und Kameraden. Besonders wichtig war es ihnen, an die Ursachen für diese Verbrechen zu erinnern und die Täterinnen und Täter beim Namen zu nennen.  

 

In ihrem Vermächtnis „Erinnerung bewahren – authentische Orte erhalten – Verantwortung übernehmen" vom 25. Januar 2009 erklärten KZ-Überlebende, die die internationalen Komitees von neun Lagern vertraten, öffentlich: 

 

" … Unsere Reihen lichten sich. In allen Instanzen unserer Verbände, auf nationaler wie internationaler Ebene, treten Menschen an unsere Seite, um die Erinnerung aufzunehmen: Sie geben uns Vertrauen in die Zukunft, sie setzen unsere Arbeit fort. Der Dialog, der mit uns begonnen wurde, muss mit ihnen fortgeführt werden. Für diese Arbeit benötigen sie die Unterstüt-zung von Staat und Gesellschaft. … Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen. …" 

Wir, die Freunde und Mitstreiter, die Hinterbliebenen und Angehörigen der ehemaligen Häftlinge sowie alle bei uns Engagierten, zusammengeschlossen in den vielfältigen Interessengruppen, Komitees, Lagerarbeitsgemeinschaften, Lagergemeinschaften, Initiativgruppen und Freundeskreisen, erklären aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung der Konzentrationslager, dass wir dieses Erbe schon lange angetreten haben und das Vermächtnis weitertragen werden.  

 

Wir verstehen uns als Bestandteil jener Kräfte, die die Erinnerungskultur in Deutschland und auch international mitgestalten sowie kritisch und engagiert begleiten. Daher fordern wir einen gleichberechtigten Platz in den Gremien der für die Gedenkstätten zuständigen Stiftungen und Institutionen. 

 

Wir werden gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern der anderen Häftlings- und Opferverbände, der jüdischen Gemeinden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Schwulen- und Lesbenverbände, der „Euthanasie"- Geschädigten, die seit vielen Jahrzehnten andauernde Arbeit fortsetzen. 

 

Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um das Vermächtnis unserer Freundinnen und Freunde, unserer Kameradinnen und Kameraden, unserer Eltern und Großeltern nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ihre Erfahrungen und ihr Leiden, ihr Widerstandsgeist und ihre Solidarität, ihr Kampf und ihre Freude am Leben sind uns Ansporn und Verpflichtung. 

 

Ihre zentrale Forderung tragen wir weiter: 

 

Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus! 

 

26. Januar 2015 

 

Unterzeichnende Verbände: 

 

Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V. 

Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V. 

Deutsches Mauthausenkomitee Ost e.V. 

Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V. 

Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V. 

Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V. 

Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. 

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. 

 

Unterstützer: 

 

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.