Das Blutbad im Dresdener Keglerheim vor 82 Jahren am 25.01.1933

  

Gedenkrede anläßlich der Gedenkveranstaltung  

Von Peter Schmuck: 

 

 

Liebe Freunde, liebe Antifaschisten, 

liebe Genossinnen und Genossen! 

 

Der Faschismus gehört zu den unheilvollsten politischen Erscheinungen des Kapitalismus. 

Faschismus ist in hohem Maße antidemokratisch und antikommunistisch. 

Er besitzt eine hohe Gewaltbereitschaft, einen starken Willen zur Macht und scheut sich nicht, die Macht mit Gewalt zu erringen. 

                    

 

Der Faschismus gehört zu den unheilvollsten politischen Erscheinungen des Kapitalismus. 

Faschismus ist in hohem Maße antidemokratisch und antikommunistisch. 

Er besitzt eine hohe Gewaltbereitschaft, einen starken Willen zur Macht und scheut sich nicht, die Macht mit Gewalt zu erringen. 

Die Nazis schufen sich eine paramilitärische Kampforganisation - die Sturmabteilung, kurz SA genannt. 

Die erste Truppe wurde im Januar 1920 für Saalschlachten eingesetzt. 

Die SA setzte sich aus Angehörigen der verschiedensten Freikorps sowie Angehörigen der bayerischen Reichswehr zusammen. 

Ihre Hauptaufgabe bestand in Aufmärschen und gewalttätigen Übergriffen gegen politische Gegner. 

Dazu gehörten in erster Linie die Mitglieder der KPD und SPD. 

Sie griffen auch Juden und christliche Gruppierungen an. 

Am 30. Januar 1933 hatte die SA 400.000 Mitglieder. 

Seit Anfang der 30iger Jahre bis zur Machtübernahme des Faschismus herrschte eine ungeheuerliche Terrorwelle der SA in Deutschland. 

Unzählige Mord- und Bombenanschläge, das Sprengen von Versammlungen der politischen Gegner und hemmungslose Gewaltaktionen waren an der Tagesordnung 

Das Blutbad im Dresdner Keglerheim war in Sachsen nicht der einzige Terrorakt der Nazis. 

Hier ein kleiner Ausschnitt: 

Am 4.11.1932 ermordete die SA ihr eigenes Mitglied Herbert Hentsch auf bestialische Art. Diese Tat ist als Fememord in Dresden bekannt geworden. 

Am 12. Januar 1933 wurde in Meißen ein neues Stadtparlament gewählt. Nach Beendigung des Wahlaktes provozierten die Nazis das Publikum durch Zuruf und Drohungen. Daraufhin kam es zu Reibereien. Die Nazis schnallten ihre Koppel ab, zerschlugen Tische, Stühle und Bänke und bewarfen damit das Publikum. Besonders hervorgetan hat sich der nationalsozialistische Fraktionsführer und städtische Beamte Kaule.Am 20. Januar 1933 fand in Aue eine öffentliche Versammlung der Sozialdemokratischen Partei statt. Die Nazi-Partei hatte die SA aus der ganzen Umgebung mobilisiert. Ca.120 SA-Leute waren da. Der Referent, ein gewisser Frenzel aus Chemnitz, sprach über den Mord an dem SA Mann Hentsch. Plötzlich erhob sich ein SA Mann, ergriff einen Stuhl und schlug damit auf die Reichsbannerleute ein. Ein großer Teil des Saalinventars ging in Trümmer. 

Als die Nazis abzogen sangen sie das Horst-Wessel-Lied. Die Arbeiterschaft sang spontan die Internationale. 

Am 24. Januar 1933 in Pressen bei Eilenburg wurde der Gewerkschaftfunktionär Reben auf dem Heimweg von einer Veranstaltung von Nazibestien überfallen und zu Tode misshandelt. Der so tragisch ums Leben gekommene Reben hinterlies eine Witwe mit drei kleinen Kindern. Der SA-Gruppenführer Siebert erklärte, er habe aus Hass gegen die Marxisten und Gewerkschaften gehandelt. 

Am 2. Februar 1933 kam der Reichsbannermann Illing aus dem Volkshaus in Annaberg. Er sah, wie Nazis dort aufgehängte Plakate herunterreißen wollten. Noch ehe er an die Nazis herankommen konnte krachten drei Schüsse. Einer war ein Bauchschuss, der ihn so schwer verletzte, dass er im Bezirkskrankenhaus starb. 

27. Februar 1933 in Dresden wurde der Sozialdemokrat Haupt auf offener Straße von SA-Männern erschossen...  

Und so weiter und so weiter... 

Als am 8. Mai 1945 der Hitler-Faschismus geschlagen wurde haben viele 

Menschen gedacht, der Faschismus wäre endgültig vernichtet worden. 

Ich möchte mit den Worten Berthold Brecht sagen: 

"Das hätte einmal fast die Welt regiert. 

Die Völker wurden seiner Herr. 

Jedoch ich wollte, dass ihr nicht schon triumphiert. 

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!" 

Schauen wir uns dieses Deutschland an. 

Nach der Einverleibung der DDR stellen wir eine flächendeckende Militarisierung in Form des so genannten Heimatschutzes fest. 

Das Militär kommandiert zivile Einrichtungen von der Feuerwehr bis zum Rettungsdienst. 

Wir stellen einen massiven Ausbau des staatlichen Gewaltsapparates fest. 

Die Geheimdienste und das Bundeskriminalamt werden massiv ausgebaut. 

Eine Bundespolizei wird weiter verstärkt, obwohl es die nach dem Viermächte-Abkommen von 1945 gar nicht geben dürfte. 

Die Bundeswehr ist an Schulen, Universitäten und Lehrwerkstätten aktiv tätig. 

In den Arbeitsämtern wird den arbeitslosen Menschen die Uniform angeboten. 

In den Führungsetagen größerer Betriebe und öffentlichen Einrichtungen halten immer mehr Offiziere der Reserve Einzug. 

Das deutsche Militär ist wieder weltweit im Einsatz. 

Die Bundeswehr führt schon wieder 15 Jahre Kriegseinsätze in der Welt. 

Ihre Aufgabe ist es, Rohstoffe und Energiequellen sowie Absatzmärkte zusichern, falls die Karten weltweit neu gemischt werden und die Welt wieder neu aufgeteilt werden soll. 

Vergessen wir nicht, dass der sterbende Kapitalismus in seiner letzten imperialistischen Phase nicht in der Lage ist die dringendsten Probleme der Menschheit zu lösen. 

Schon zweimal sah das deutsche Großkapital den letzten Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise in einem Weltkrieg. 

So wie dieses System ökonomisch immer aggressiver wird so wird es auch militärisch aggressiver. 

Krieg ist ein Segen für die Kapitalverwertung, das heißt Krieg sorgt für die Mehrung des Profits. 

Da dieser gebärfreudige Schoß des Kapitalismus ständig neue Faschisten auf die Welt bringt haben wir heute schon wieder fast die gleichen Verhältnisse wie 1933. 

Seit der Konterrevolution 1989 haben rechte Täter, also Nazis, in Deutschland schon wieder ca. 746 vollendete und versuchte Tötungsverbrechen begangen. 

Dabei starben 849 Menschen oder wurden lebensgefährlich verletzt. 

Wie inzwischen bekannt geworden ist besitzen die sächsischen Nazis mehr als 150 Waffen legal. Das heißt sie sind im Besitz einer Waffenerlaubnis. 

Diese Faschisten dürfen insgesamt 105 Langwaffen und 51 Kurzwaffen legal zu Hause haben. Vom illegalen Waffenbesitz ganz zu schweigen. 

Liebe Freunde, Liebe Antifaschisten, Liebe Genossinnen und Genossen: 

Faschismus - das bedeutet Krieg! 

Die Welt hatte vor 100 Jahren einen furchtbaren Krieg, vor 75 Jahren hatte sie den verheerendsten Krieg in der gesamten Menschheitsgeschichte, der dritte Krieg würde aber auch der letzte sein. 

Es geht um die Existenz der Menschheit. 

Ich möchte mich mit den Worten Ernst Thälmanns an Euch wenden, der sagte: 

"Kampf gegen den Faschismus - das ist Kampf gegen das kapitalistische System." 

Wer den Faschismus besiegen will, der muss den Kapitalismus beseitigen.  

Rot Front 

  


  

Der Blutabend im Keglerheim

Dresdener Volkszeitung vom 27.Januar 1933 

 

Über die blutigen Ereignisse im Keglerheim erhalten wir hier den Bericht eines Versammlungsteilnehmers. Im Gegensatz zu den Behauptungen im Polizeibericht und den Darstellungen der bürgerlichen Presse wird von dem Teilnehmer an der Versamm- lung, einem parteilosen Arbeiter, behauptet, dass von der Galerie weder geschossen wurde noch Stühle, Biergläser oder dergleichen heruntergeworfen wurden. Erst als die Polizeibeamten in die Versammlungs- teilnehmer hineinschossen, wurden von der Galerie Gegenstände heruntergeworfen.  

Der überwachende Beamte löste die Versammlung auf, als der Redner, Oberleutnant a. D. Fraedrich, der in seinem Referat in äußerst scharfer Weise auch gegen die Sozialdemokratie gesprochen hatte, bei der Kritik über die Naziprovokationen am Bülowplatz in Berlin etwa Folgendes ausführte:  

    "Schlagen uns die Nazis, dann schlagen wir sie auch,  

    stechen uns die Nazis, dann stechen wir sie auch,  

    schießen auf uns die Nazis, dann schießen wir auf sie auch."  

Daraufhin sprang Fraedrich von der Bühne herab und unter- hielt sich lebhaft gestikulierend mit dem leitenden Beamten. Währenddessen ertönte von der Galerie ein Sprechchor: "Wir bleiben hier. Ruhe, Ruhe, sitzenbleiben!" Vor der Bühne schöb sich die Kette von Polizeibeamten ins Lokal. Die Versammlungsbesucher in der Nähe des Saalausgangs verließen den Saal. Plötzlich sprang ein uniformierter Beamter auf einen Stuhl oder Tisch, sprach zu den Versammlungsbesuchern, seine Rede konnte jedoch von dem Augenzeugen nicht verstanden werden. Ein Teil der Versammlungsbesucher stimmte die Internationale an. Schon nach wenigen Sekunden gab die Polizei die ersten Schüsse ab, vielleicht zunächst nach der Saaldecke, denn es konnte beobachtet werden, dass Deckenputz herabfiel. Die Beamten versuchten, die dichtgestaute Menge der Versammlungsbesucher zurückzudrängen, aber selbstverständlich konnten die Versammlungsteilnehmer durch den einzigen Saalausgang - der Notausgang war verschlossen und wurde erst später aufgebrochen - nicht so schnell entkommen. Es entstand ein ungeheures Gedränge, so dass auch noch dadurch eine Anzahl Personen verletzt wurden. Es ist nach dem Bericht des Augenzeugen unbegreiflich - und das wird uns auch noch von dem zweiten Augenzeugen bestätigt -, dass die Polizei in die zurückflutende Menge hineinschoss, denn es ist in keiner Weise irgendein tätlicher Angriff auf Polizeibeamte durch Versammlungsteilnehmer wahrgenommen worden.  

Es wird von den Augenzeugen auch entschieden bestritten, dass von der Galerie aus auf die Beamten geschossen worden sei. Es wird auch weiter ganz energisch bestritten, dass vor der Schießerei irgendwelche Gegenstände, ob Stühle oder Biergläser, gegen die Beamten von der Galerie aus oder aus der Saalmitte heraus- geschleudert worden seien. 

Es wird ausdrücklich gesagt, dass auf der Galerie keinerlei Getränke ausgeschenkt wurden. Es hat sich den ganzen Abend kein Kellner auf der Galerie blicken lassen.  

In dem Tumult der zurückflutenden Menge wurde schließlich auch das Saalbüfett demoliert, und die Versammlungsbesucher flüchteten, soweit sie in der Nähe waren, auf diesem Wege aus dem Saal. Am Saalausgang lagen die Menschen vier- und fünffach übereinander, und darüber flüchteten die anderen Versammlungsbesucher. Die Menschen wurden schrecklich zugerichtet und verletzt. Die Kleider wurden förmlich vom Leibe gerissen. Ein großer Teil der Leichtverletzten begab sich nach Hause. Wenn in den Berichten von elf Schwerverletzten gesprochen wird, ist das längst nicht die Gesamtzahl der Verletzten, denn auch im Volkshaus wurde eine Anzahl leichter Verletzte von Samaritern verbunden. Wieviel insgesamt Verletzte zu verzeichnen sind, wird genau nicht zu ermitteln sein.  

Obwohl nach dem Zusammenstoß keineswegs von Versammlungen vor dem Keglerheim geredet werden kann, sondern im Gegenteil festgestellt werden muss, dass die Versammlungsbesucher schleunigst das Weite suchten, unterließ es die Polizei nicht, auch noch dort Attacken gegen die heimkehrenden Versammlungsbesucher zu unternehmen. Sie setzten sich fort bis auf den Schützenplatz, wo absolut unbeteiligte Teilnehmer einer Veranstaltung im Trianon von der Polizei behelligt wurden. Außerdem wurden selbst Verletzte von der Hetze nicht verschont.