Redebeitrag zum  

Tages der Erinnerung, Mahnung und Begegnung 

Wolfram Triller 

13.09.2015, Heidefriedhof Dresden 

 

Liebe Antifaschisten, Genossen und Freunde 

Die Partner des Dresdner Friedensbündnisses bedanken sich bei den Organisatoren der heutigen Veranstaltung zum Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung für die Möglichkeit, hier sprechen zu können. Unser Bündnis sieht sich in der Tradition all jener stehend, die im unermüdlichen Kampf, den Tod nicht fürchten,  

  • Widerstand gegen ein verbrecherisches System,
  • gegen seinen völkermordenden Krieg,
  • gegen Volksverhetzung und millionenfachen Terror

Widerstand geleistet haben. 

Sich der Toten zur erinnern und ihre Mahnung zu beherzigen bedeutet hieran der Stehle der FIR, im Geiste des Schwurst von Buchenwald zu handeln: 

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus zuzulassen. 

Vor den Gefahren des deutschen Faschismus war früh genug gemahnt worden: 

Wer Hindenburg gewählt, wählt Hitler wer Hitler, wählt Weltkrieg.  

Aber zu wenige haben diesen Ruf erhört und mussten teuer dafür bezahlen. Doch der Widerstand konnte nicht besiegt werden. Aus ihm erwuchs das Bündnis der Anti-Hitler-Koalition. Es wurde getragen von Völkern, die unter gegensätzlichen Gesellschaftssystem lebten. Es lebte von dem Vertrauen und der Solidarität von Menschen sehr unterschiedlicher sozialer Schichten, Religionen und Weltanschauungen, Staatsangehörigkeit und Rassen. Es wurde getragen von der Hoffnung auf Frieden, Menschlichkeit und eine glückliche Zukunft. Das alles ermöglichte den Sieg über das faschistische Deutschland. 

 

Doch nicht überall wurde erkannt, was die eigentlichen Ursachen von Krieg und Faschismus sind. Nur in einigen Ländern wurden nach 1945 die notwendigen Konsequenzen gezogen und mit dem Aufbau einer neuen Gesellschaft begonnen. Die vom Kapital beherrschten Länden inszenierten neue Kriege, putschten Demokratien hinweg und errichteten Regime, die der Unterdrückung, der verschärften Ausbeutung und der Vorbereitung weiterer Kriege dienen. 

Bei unserer Mahnwache am 1. September vor der Frauenkirche mussten wir mit Schrecken feststellen, dass vielen Gesprächspartnern dieser Tag nicht als Weltfriedens bekannt war. 

Schon wieder ist es den Regierenden gelungen, neue Feindbilder in die Köpfe der Menschen einzupflanzen, nationalistischen Tendenzen Vorschub zu leisten und die eigentlichen Ursachen der weltweiten Konflikte zu verschleiern. 

Noch ist die Erinnerung an die Not und das Elend des Zweiten Weltkrieges in vielen Köpfen lebendig. Groß ist die Bereitschaft, den nach Deutschland strömenden Flüchtlingen zu helfen. Andere sprechen davon, dass etwas gegen die Flüchtlingsströme getan werden muss. 

Doch neben der unmittelbaren Hilfe für die Flüchtlinge muss es vor allen Dingen darum gehen, zu erkennen: 

  • Der Krieg beginnt hier, wir selbst tragen die Verantwortung für die Flüchtlingsströme.
  • Deutschland gehört zu den größten Waffenexporteuren, vor allem in Länder des nahen Ostens, aus denen viele Flüchtlinge kommen.
  • Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, weil dort deutsche Truppen nicht nur Brunnen und Schulen bauen.

Mit dem Geld, das auf der Welt für Waffen und Krieg ausgegeben wird, könnte in kürzester Zeit der Humor beseitigt, der Mangel an Bildung und Gesundheitsvorsorge überwunden, können allen Menschen lebenswerte Existenzbedingungen ermöglicht werden. 

Dazu ist ein weltweites, starkes Friedensbündnis notwendig, das energisch den Kampf für die Beseitigung der Kriegsursachen führt. 

Dieses Friedensbündnis muss auch hier an dieser Gedenkstätte entstehen, indem wir sie zu einer Lernstätte aus der Geschichte machen und nicht zulassen, dass ihr diese Funktion genommen wird. 

Die Aufgabe, die Opfer von Krieg und Faschismus zu Ehren, bedeutet vor allem, in ihren Geist den Widerstand gegen die Wiederholung der Geschichte zu mobilisieren. 

Dazu hat uns Bertolt Brecht zwei Gedanken mit auf den Weg gegeben: 

 

Und doch wird nichts mich davon überzeugen, 

dass es aussichtslos ist, 

der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen. 

Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, 

damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! 

Lasst uns die Warnungen erneuern, 

und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! 

Denn der Menschheit drohen Kriege, 

gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, 

und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, 

wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, 

nicht die Hände zerschlagen werden. 

  

Brecht warnte uns vor der historischen Parallele: 

  

Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten. 

  

Ehren wir die Verfolgten und Ermordeten indem wir unseren Kampf für den Frieden und gegen die Wurzeln des Krieges konsequent fortsetzen und möglichst viele Menschen dafür gewinnen. 

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